Wer darf sich Schimmel - Sachverständiger nennen?

Ein Sachverständiger ist eine natürliche Person mit einer besonderen Sachkunde und einer überdurchschnittlichen fachlichen Expertise auf einem bestimmten Fachgebiet (Quelle: Wikipedia) .

Der Begriff Gutachter oder Sachverständiger ist in Deutschland nicht geschützt. Demzufolge darf sich eigentlich jeder als Sachverständiger bezeichnen. Aber Vorsicht! Wer sich als Sachverständiger bezeichnet, muss auch seine überdurchschnittliche Expertise auf den spezialisierten Fachgebiet nachweisen können, ansonsten erfüllt dies einen Strafbestand (Vortäuschung falscher Tatsachen).

 

In Deutschland gibt es mehrere Formen von Sachverständigen:

 

1. Freie Sachverständige:

Das sind Sachverständige, welche ihre fachliche Expertise über eine Aus- oder Weiterbildung bzw. langjährige Erfahrungen auf einem Sachgebiet erlangt haben. Nachteil: Es lässt sich nicht nachprüfen ob die Expertise tatsächlich ausreichend ist und ob sie überhaupt  dem neuesten Stand entspricht.

 

2. Öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige:

Öffentlich bestellte und  vereidigte Sachverständige sind von einer Kommission (IHK) ernannte Sachverständige. Das Problem an der Sache war bislang jedoch, dass es keine klar definierten Kriterien gab, wie der Sachverstand nachgewiesen werden musste. Das durften die Prüfungskommissionen in den Bundesländern selbst festlegen. Bezogen auf Schimmelschäden reichte es im Saarland und Rheinland Pfalz oftmals einfach nur aus, dass man Architekt, Bau-Ingenieur oder Schimmelsanierer war. Natürlich haben diese Berufsgruppen gewisse Grundkenntnisse in der Ursachenanalyse von Schimmelschäden, jedoch   sind sie häufig nicht genug darauf spezialisiert und auf dem neuesten Stand. Würden sie einem Allgemeinmediziner eine Blinddarmoperation zutrauen? So habe ich es schon häufig in unserer Region erlebt, dass Schimmel-Gutachten von vereidigten Gutachtern fachlich nicht die gewünschte Qualität aufwiesen und mit simplen Gegengutachten vor Gericht zerpflückt wurden. Zudem war es in der Vergangenheit auch so, dass vereidigte Sachverständige nicht dazu verpflichtet waren, Weiterbildungen zu besuchen. Mittlerweile ist man  dazu übergegangen die Vereidigung auf 5 Jahre zu begrenzen und den Nachweis der Expertise über Weiterbildungen zu verbessern. Das hilft jedoch nicht über die Tatsache hinweg, dass die öffentliche Bestellung ein Auslaufmodell ist und man mittlerweile vornehmlich auf Zertifizierte Sachverständige zurückgreift.

 

3: Zertifizierte Sachverständige:

Zertifizierte Sachverständige haben ihre überdurchschnittliche Expertise auf einem Sachgebiet gegenüber einer unabhängigen Prüfungskommission nachgewiesen und bekommen den Titel "zertifizierter Sachverständiger" für einen Zeitraum von 3 Jahren (nach DIN ISO 9001, z.B. TÜV oder Dekra zertifizierte SV) oder 5 Jahre (nach DIN ISO 17024, EU - zertifizierte Sachverständige) verliehen. Die höchste  Form eines Qualitätsnachweises für Sachverständige in Deutschland  ist die EU-Zertifizierung und ersetzt die öffentliche Bestellung und Vereidigung.

Zertifizierte Sachverständige müssen nicht nur jährlich Weiterbildungsmaßnahmen nachweisen, sondern  auch die erstellten Gutachten werden regelmäßig von einer unabhängigen Zertifizierungsstelle überprüft. Nur wenn Gutachten den höchsten fachlichen Anforderungen entsprechen, bekommt man den Titel "zertifizierter Sachverständiger" eine für weitere Frist verliehen.

Schimmelsanierer  = Schimmel - Sachverständiger?

Diese Frage lässt sich nicht so pauschal beantworten. Ein Sanierer ist ganz sicherlich ein Sachverständiger auf dem Fachgebiet der Schimmelbeseitigung. Meine Erfahrungen sind jedoch die, dass die meisten Schimmel - Sanierer nur wenig Ahnung von der Ursachenanalyse haben. Die meisten wissen nicht wie man den ein fRSi Wert berechnet  und wie die DIN-Norm zur rechnerischen Ermittlung einer Schimmelwahrscheinlichkeit heißt. Dieses Fachwissen ist jedoch unentbehrlich, wenn man wissen will, wie Schimmelschäden entstehen. Nur wenn man die Ursache kennt, kann man  Strategien entwickeln, um Schimmel für immer zu beseitigen.  Um die Ursache herauszufinden muss man messen, analysieren, vergleichen und berechnen. Zudem gibt es da für viele Handwerker noch den Interessenkonflikt, dass man gerne einen Sanierungsauftrag hätte, da ist es kontraproduktiv, wenn ein Schimmelschaden nur durch falsches Lüften oder Heizen entsteht.

 

Auf den Hund gekommen...! Kann ein Schimmel-Spürhund einen Schimmel Sachverständigen ersetzen?

Schimmelspürhunde sind derzeit sehr beliebt und erfreuen sich großer Nachfrage. Selbstverständlich können Schimmelspürhunde Schimmel ausfindig machen, jedoch kann mit dieser Methode weder eine klare Aussage getroffen werden, welcher von den 250 000 Schimmelarten der Hund erschnüffelt hat, noch wie hoch die tatsächliche Belastung ist. Schon gar nicht kann ein Hund feststellen ob ein Baumangel vorliegt oder falsch gelüftet wurde! Deshalb wird diese Methode niemals eine fachliche oder  gar juristische Anerkennung finden! Ein Schimmelspürhund kann einen Sachverständigen sinnvoll unterstützen, jedoch nicht ersetzen!  Amtsgerichte und das Umweltbundesamt sehen das so: "Ein Schimmelpilzspürhund ist  grundsätzlich nicht als alleinige Methode zur Ursachenermittlung von Schimmelschäden geeignet!"

Der Einsatz von Schimmelspürhunden ist beispielsweise bei  Geruchsbelästigungen in Objekten sinnvoll, in denen kein sichtbarer Schimmelbefall erkennbar ist. Diesbezüglich ist die Technik machtlos und die Nase eines Hundes ein echter Gewinn.

 

Haben sie Fragen zu diesem Thema: Ich freue mich auf Sie!

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